Zombie-Reality-TV.
Was „Blair Witch Projekt“ mehr oder minder als Wegbereiter begann und bei einem Blockbuster wie „Cloverfield“ an die Grenzen des Sehbaren ging, findet hier seinen ausgewogenen Stil: Die ausschließlich subjektive Perspektive eines Protagonisten durch die mitgeführte Kamera. „Hast du alles? – Halt drauf!“
Was für Reporterin Angela und Kameramann Pablo als harmlose Reportage über den Einsatz einer Feuerwehrzentrale in Barcelona beginnt, endet in einer Altbaumietswohnung mit einem Alptraum. Erst werden sie in einer Wohnung von einer blutverschmierten Frau angegriffen, dann wird einer ins Gesicht gebissen, während die Polizei das Gebäude unter Quarantäne gestellt hat, ohne Erklärungen abzugeben.
Für das Reporterteam, die Mieter und einige Beamte beginnt der Kampf ums nackte Überleben.
Und was für einer. Das würde man noch nicht vermuten, als Angela ein paar Probeaufnahmen macht, mit den Feuerwehrmännern herum albert und den Zuschauern als quirlige, sehr natürliche und dadurch sympathische Person verkauft wird.
Auf der anderen Seite weisen die parallelen Vorzeichen auf ein höllisches Inferno hin, da auch der Ursprung bei „9/11“ eine Doku über den Alltag eines Feuerwehrrekruten darstellen sollte.
„Gerade jetzt wird’s authentisch“ zischt Angela ihrem Kameramann zu, der wiederholt von einem Polizisten beiseite gedrängt wird. Doch Pablo hält weiterhin alles im Kasten fest, zoomt heran und lässt den Betrachter am Sensationsreportertum teilhaben.
Vielmehr spielt man geschickt mit dem eingeschränkten Sichtfeld, die Kamera wird zwischendurch auch mal aus Versehen abgelegt, während sie kurz weiter aufnimmt und man nur entfernt stattfindende Dialoge wahrnimmt. Nur selten wird ein Schnitt eingesetzt, um die eigentliche Zeit des Ablaufs aufs Nötigste zu komprimieren.
Ansonsten ist man mittendrin, flieht mit Reißschwenks, wackelt die Treppenstufen herauf, sieht im Halbdunkeln hoch kreischende Infizierte herannahen und betätigt gegen Ende die Nachtsicht-Funktion, um überhaupt noch etwas zu sehen, - taktisch sehr geschickt.
Dabei verliert man nie ganz die Übersicht, noch verfällt die Kamera in belastende Unschärfen oder unkontrollierte Achterbahnfahrten. Die Haltung zwischen heldenhaft bemühtem Journalismus und authentischer Anteilnahme fällt recht ausgewogen aus. Solange die Situation vergleichsweise ruhig ist, findet man Zeit für kurze Interviews mit den Mietern, versucht jedoch auch das Geschehen festzuhalten, welches sich hinter einem verschlossenen Raum mit zwei Infizierten abspielt. Und wenn die Zeit zur Flucht gekommen ist, verliert man keine Sekunde, denn die könnte auch einem zielstrebigen Kameramann das Leben kosten.
So wird das Gebäude von außen versiegelt und man wird über Lautsprecher gewarnt, sich nicht den Fenstern zu nähern, der Schlüssel zu einem Kellerraum muss sich in einer der zahlreichen Wohnungen befinden, zwischendurch immer mehr Infizierte, mehr Fluchtszenen, höheres Tempo.
Bei alledem bleibt kaum Zeit für Erklärungen, als Zuschauer erfährt man nicht mehr als das Filmteam. Vielleicht war ein Hund der Überträger, vielleicht auch die alptraumhaft dünne Gestalt, die den letzten Überlebenden nach dem Leben trachtet. Eine etwas andere Theorie wird innerhalb der letzten Minuten durchleuchtet, als man eine eigentlich verlassene Wohnung im Obergeschoß betritt.
Zwar liefert der Stoff keine sonderlichen Überraschungen, doch er weiß mit seiner griffigen Art durchweg zu fesseln, liefert rasante Momente, packend spannende Szenen und gibt im Gesamtbild ein glaubwürdiges Szenario ab.
Auch so ein eigentlich langweiliges Mietshaus mit relativ langen Fluren kann eine ungeahnt klaustrophobische Stimmung auslösen, die ihre Räumlichkeiten gegen Ende immer enger zieht.
Sehr effektvoll inszeniert dieser Schrecken mit Echtzeit-Feeling, spätestens als die hochgehaltene Kamera einen vortastenden Rundumschwenk auf einem Dachboden wagt…
8 von 10